Pro & Contra
Die Kritiker der Spekulation um das Produkt Wein sehen das Ende der Weinkultur eingeläutet.
Das Beste ist gerade gut genug, um es zu zeigen. Den Globalisierungsgewinner interessiert nicht Geschmack, Finesse oder Abgang. Dazu hat dieser in der Regel weder Zeit noch Zunge.
Man zeigt, was man sich leisten kann.
Das Bedauern einiger Weinfreunde über den Trend der Weinpreisentwicklung durch u.a. viele Neureiche aus den Schwellenländern ist groß. Insbesondere, wenn sie die Verschwendung der guten Tropfen sehen. Sei dies, den Wein zu jung zu trinken oder ihn gar mit anderen Getränken zu mischen. Petrus mit Cola – ein zweifelhaftes Vergnügen.
Im Grunde verhält es sich ähnlich mit dem Kauf eines Ferrari in USA oder Dubai. Wo bleibe das Fahrvergnügen bei 100 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung sowie mit dem zweifelhafte Genuss einen Rembrandt im Tresor aufzubewahren.
Der Weinliebhaber freut sich auf den in seinem Keller gereiften Wein, den er zu einem besonderen Anlass genießen wird. Er hat sich mit der Materie beschäftigt, einige Erfahrung gesammelt und versteht die Vielschichtigkeit des sublimen Genusses.
Oft werden die Weine auch als Erinnerungsstücke aufbewahrt. Sei es sich eine besondere Flasche für einen runden Geburtstag, zur Erinnerung an die Hochzeit oder die Geburt der Kinder aufzubewahren.
Sollen solch ausgewiesene einzigartige Kreszenzen der puren Spekulation zum Opfer fallen?
Aber! Sofern der Wein noch trinkbar und einen investiven Wert hat, ist folgendes zu überlegen:
Man würde doch niemals auf die Idee kommen, diesen Wein zu verkaufen. Oder doch?
Vielleicht ist es nur die Frage welchen Preis man erzielen kann. Wird man z.B. bei 800 % Wertentwicklung zum Einstandspreis schwach?
Ist der Genuss einer Flasche von über 1000 € nicht pure Wertvernichtung? Mit einer 12-er Kiste könnte man einen Kleinwagen kaufen.
Warum nicht 2 Flaschen Petrus verkaufen und sich damit einen Urlaub finanzieren?
Der für die Kinder zurückgelegte Wein könnte auch als bessere Investition als ein Sparbuch angesehen werden. Vielleicht haben die Kinder ja kein Interesse an guten Weinen. Warum also sollten sie nicht an einen Verkauf denken?
Kleine Investments wurden früher über die Subskription getätigt. Der Kauf von 2 Kisten eines Premier Grand Cru Classe aus dem Bordeaux amortisierte sich in der Regel nach ca. 10 Jahren. So konnte man mit Geduld seinen Bordeaux-Weinkeller ohne Kosten für den Wein aufbauen (die Kapitalbindung mal außen vor gelassen).
Den Kritikern sei gesagt: die Welt hat sich nun mal rasant gewandelt und für immer mehr schnell reich Gewordene gehören auch bestimmte Weine zum Lebensstil. Diese Weine (Siehe die nächsten Kapitel) dienen wie Antiquitäten, Oldtimer oder Kunst nicht nur als Sammlerstücke, sondern auch als Statussymbole.
Im Gegensatz zu Kunstobjekten lässt sich Wein konsumieren und zeigen. Eine Antiquität trage ich nicht mit mir herum; hämisches Grinsen erreicht mich, wenn ich mit meinem Lamborghini im Stau stehe.
Man kann aber z.B. eine Flasche Mouton Rothschild mit ins Restaurant nehmen (in Asien üblich) und dort für alle öffentlich und immer wiederholt zeigen, was man sich leisten kann. Dass dies mit Trinkgenuss in der Regel nichts zu tun hat ist schade, aber nicht zu ändern.
Diese Preisrally bietet auch Chancen für den Weinfreund.
Kein Weinfreund kauft Weine ausschließlich als Assetklasse; dies ist eine positive Begleiterscheinung.
Anders die Weininvestoren, Händler und Auktionshäuser. Sie profitieren vom Boom.
Geschickt gemanagt, ist Wein als Assetklasse ein stabiler Pfeiler eines Vermögensportfolios.
Mit entsprechendem Sachverstand kann auch der Kleinanleger (Portfolio min. 100.000 € - Anlage min. 10.000 €, also 10 %) diesen Umstand nutzen.
Ich sehe dies pragmatisch:
Ich würde für eine Flasche Lafite Rothschild Jahrgang 1982 nicht 1.500 € bezahlen. Ich habe aber solch eine Flasche verkauft, um 12 Flaschen Palmer 1989 zu erstehen.